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Ein Abend im November ...

- Wir schreiben das Jahr 1996. In Bonn regiert schon viel zu lange der alte Kanzler Helmut Kohl, was aber diese Geschichte nicht wirklich tangiert. Es ist Herbst, ein Sonntag, der 10. November des Jahres. Ich bin seit einer knappen Woche in Hannover, im Dienst - Zivildienst. Ich kenne keine Sau geschweige denn einen Menschen. Um dieses zu ändern, gehe ich ins Café, ins "Homocenter", das Sonntagscafé des HOME e.V., setze mich hin und sehe zunächst nix mehr - weil meine Brille beschlägt! Irgendwo... am anderen Ende des Raumes sitzt ein bis dato noch nicht registrierter / identifizierter Mann. Ich bestelle mir eine heiße Schokolade und quetsch mich damit wieder auf meinen Platz an dem überfüllten Tisch. Halb blind ohne Brille (die liegt auf dem Tisch weil beschlagen) lasse ich meinen unscharfen Blick durch den Raum schweifen, dabei registriere ich, daß ich bei einer Person Aufmerksamkeit erregt habe. Diese Person sitzt aber zu weit weg, als daß ich sie ohne Brille wirklich gut erkennen könnte (ob Kontaktlinsen besser gewesen wären, frage ich mich noch heute). Doch ich versuche das Manko durch zusammenkneifen der Augen wieder wett zumachen. Ich weiß nicht, das kann mich an sich nicht sonderlich attraktiv gemacht haben. Aber ich denke, Peter fand das vielleicht "süß". Wie ich dieses "süß" manchmal hasse! Nunja. Es bleibt zunächst bei einem Etwas, das wohl einem Augenflirt nicht unähnlich ist, auch wenn ich aufgrund meiner außer Gefecht gesetzten Sehhilfe keinen nennenswerten Blickkontakt herstellen kann, der dem gängigen ins Herz schauen entspricht (man ist echt gearscht mit einer Sehschwäche von 5.25 Dioptrien, wenn man Brillenträger ist und eben selbige Gläser beschlagen sind). Ich weiß: das klingt nicht sehr romantisch, das isses auch nicht! Es ist ca. 17.00 Uhr, als der mir bis dahin noch unbekannte Mann zu seinem Mantel greift und aufbricht. Auf dem Weg zur Tür muß er an mir vorbei (ich sitze nämlich direkt neben ihr - neben der Tür, meine ich), dabei wirft er mir einen Blick und ein nettes Lächeln zu, und ich bin nicht mehr ganz so blind ... die Distanz ist gering genug, um etwas zu erkennen! Naja, denke ich, ganz nett, wenn auch ziemlich unscheinbar....
Er verläßt das Haus.
Ich bleibe sitzen.
Keine fünf Minuten vergehen, da kommt er wieder rein und setzt sich mit einem "Ich muß endlich mal meine Schüchternheit überwinden" neben mich. Mir ist fast der Knopf aus dem Ohr gefallen .... hätte ich einen drin gehabt. Plump, dreist und "was´n nu los?" ging mir durch den Kopf, und ich grins ihn an, verunsichert und schelmisch zugleich. Ich erinnere mich nicht mehr genau an das kurze Folgegespräch, es ging wohl um meine Hobbies und darum, daß ich gerne wüßte, wo denn das "berühmte" CINEMAXX sei. Er meinte, das könne er mir problemlos sagen. Im übrigen sei sein Name Peter. Ich nehme diese Bemerkung - die über das CINEMAXX - zum Anlaß aufzubrechen. Ich bitte Peter, mir das Kino zu zeigen. So machten wir, ausgehend von der Johannssenstraße 8, einen Spaziergang über das Steintor zum Kino, zurück zum Steintor und von dort zum Kröpcke über die Georgstraße. An der Kröpckeuhr angekommen, plaudern wir noch ein wenig, drucksen herum... naja, bis Peter mich schließlich fragt, ob ich nicht noch mit zu ihm kommen möchte. Auf eine Tasse Tee, wie er sich ausdrückt. Ein schöner Euphemismus, nicht wahr?
Am nächsten Morgen muß ich um 6.00 Uhr aufstehen, der Dienst ruft. Ich quäle mich aus dem Bett und lasse Peter dort zurück. Am Abend wollen wir uns wieder treffen - im Café Stößchen bei den SHS, den Schwulen Hannöverschen Studenten. Und das haben wir dann auch getan!

Über Peters Hobbys und weitere Interessen erfahrt Ihr hier etwas.

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Letzte Aktualisierung: 12.05.2008 0:19 ; © 1997 - 2008